Julius Ruska


Briefe aus Berlin



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27.12.1887 - Seite 12

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Julius an die Eltern



Bruder Thimanns, der als Einj. gedient hatte, u. dem
Einjährigen W. - Nach dem alten Sprichwort "In vino
veritas" glaube ich auch hier so recht unverfälscht
die krasse Genußsucht u. brutale Überhebung, die
in solchen Kreisen herrscht (der Alte war auch Offizier)
kennen gelernt zu haben, ich lachte natürlich
pflichtschuldigst mit, glaube aber, daß auch
anderen als mir die Äußerung solcher schönen Grundsätze
nichts weniger als sympathisch war.
 
Nachdem sich die Weingeister etwas gelegt
hatten, begaben wir uns in ein anderes Zimmer
zum Kaffee. Wir bildeten einen großen Kreis um
ein kleines Tischchen und jeder mußte seine
Tasse nebst Untertasse und Kaffee und Kuchen in der
Hand halten. Die Sächsin trank drei
Tassen mit großer Behendigkeit. Nicht minder schnell
ging sonst ihr Schnabel, aber die (Chemnitzer) Sprache
ist abscheulich, die a sind alle gedrückt, nahe dem ä,
kein volles a: au klingt ebenso: flämn = Pflaumen,
mr hämn gekäfft = wir haben gekauft; wie gesagt
ein abscheulicher Dialekt; dem Pfälzer am ehesten
zu vergleichen. - Nachher in das Zimmer, in
welchem der Christbaum und die Geschenke sich be-
fanden, welche betrachtet wurden. auch spielten
die 2 ältesten Töchter 4 händig, der Papa beglei-
tete mit der Geige dazu, einem Instrument mit