Julius Ruska


Briefe aus Berlin



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27.12.1887 - Seite 11

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Julius an die Eltern



noch bei Tische sitzend; der alte H., eine starkknochige
Gestalt mit gerötetem Gesicht, starkem grauen
Schnurrbart u. etwas brutalem Ausdruck, in der
besten Weinlaune, welcher ich es zu verdanken habe,
daß ich um eine der interessantesten wenn auch nicht
schönsten Erfahrungen reicher nach Hause kam. Die
Rede kam nämlich bald auf Weine u. Liqueure
u. deren Vorzüglichkeit; da wurden allerlei Orte
namhaft gemacht, wo man sich am besten u. schwersten
mit Sekt und Champagner besäufen könne; wurde
von einer Sitzung des "Landw. Vereins" (Bund der Landwirte) bemerkt:
"Ja der Jammer der Landwirtschaft war groß" u.
darunter der Katzenjammer nach einem solchen
Gelage verstanden - während in den Zeitungen über
Notstand zusammengelogen wird, was halten will;
man sah aus diesen u. anderen Äußerungen wie
wohl sich diese Herren Lumpen in gegenwärtiger
Zeit fühlen. "Der Zucker muß noch immer theurer
werden!" (Schade, daß es nicht hieß: das Korn); von
einem der trotz hoher Pension u. sonstigem Einkommen
immer Schulden macht u. die höchstgestellten Personen
um Tausende anpumpt, ohne ans Bezahlen zu den-
ken: "Na, der hat eben soviel Bedürfnisse, die
muß der Staat befriedigen ... er hat ja 1870 gedient
... nur frech muß man sein u sich vordrängen,
und Ansprüche machen: merken Sie sich das für die
nächste Zukunft ! - sagte der alte H. zu einem