Julius Ruska


Briefe aus Berlin



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27.12.1887 - Seite 5

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Julius an die Eltern



Herde Schafe, vier große und entsprechend viel junge
Schweine, Tauben u. hübsche Hühner, Enten, Jagdhunde,
ein Stier bilden das lebende Inventar. Nach der
anderen Hausseite hin ist ein Garten, teils Zier-
garten mit einer Linde, Nußbaum, Kastanie, allerlei
Nadelhölzern, auch mit Rebgeländen, die über den
Winter umgelegt u. eingeschlagen werden, teils Ge-
müsegarten. Dann noch ein kleiner Teich u. ein Stück-
chen Wald. Über die Blumen und das Fortkommen
der verschiedenen Pflanzen überhaupt erfuhr ich im
Laufe des Gespräches allerlei merkwürdiges; z.B
daß die Herbstzeitlosen als seltene Gartenblumen
gehegt werden, daß Stechpalmen wertvolle Ziersträucher
sind, Fingerhut auch Gartenblume, Immergrün, Maiblumen
kommen wild nicht vor - überhaupt unsere Wald-
blumen, was eigentlich sich von selbst versteht.
 
Nun muß ich einiges von dem Papagei sagen. Der
übertrifft an Drolligkeit u. Wortreichtum alles was
ich bisher kannte. Er kann nicht nur sprechen, sondern
auch vorzüglich pfeifen,ahmt den Kanarienvogel
nach, der über ihm hängt, oder alle möglichen Signal-
pfiffe, Anfänge von Melodien, auch eigener Erfindung,
u. hat ein ausgezeichnetes musikalisches Gehör; dann
macht er die Hühner und Enten nach, die Frösche, die
Katze und einen Hund, den er "kleiner Wu !" oder "kleiner
Hund!" ruft, wenn er ihn sieht, morgens begrüßt er