Julius Ruska


Briefe aus Berlin



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27.12.1887 - Seite 3

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Julius an die Eltern



zwischen den Besitzverhältnissen bei uns in der Rheinebene
u. hier in der endlosen Niederung der Oder, auch weiter
ost. u. nordwärts. Einen Bauernstand wie bei uns gibt
es nicht. Die ungeheuren Landstrecken zerfallen in
entsprechend große Güter, in deren Centrum der
Hof des Besitzers mit den weitläufigen Oekonomie-
gebäuden, Garten etc . sich befindet. Alle viertel bis
halbe Stunden taucht ein solches in der Nähe der Haupt-
wege auf, bisweilen auch eine Zuckerfabrik, eigentlich
nur eine Abart: Der eine Besitzer pflanzte Getreide,
der andere Rüben, die er gleich verarbeitet. Die Wege
von Gut zu Gut und zwischen den Dörfern sind fast
sämtlich mit einer Art Weiden eingefasst, die sich
weit weicher verästeln als unsere Korbweiden und
vor allen Dingen größer werden, wie Bäume mit
niederen Stämmen. Die Zweige werden abgehauen u.
sind das hauptsächlichste Brennholz für die Gegend.
An den Chausseen sind auch Ahorne, Efeu etc.
angepflanzt, die natürlich nicht geköpft werden (es
muß hier Chausseegeld bezahlt werden; in gewissen
Entfernungen sind Schlagbäume, der Chausseewächter
langt das Geld vom Fenster aus vermittels einer A rt
Klingelbeutel zu sich herein). Die Grenzen der Güter
werden auch durch Wege gebildet u. sind also schon von
weitem zu erkennen; von der Größe der einzelnen
Güter könnt Ihr Euch am leichtesten eine Vorstellung