Julius Ruska


Briefe aus Berlin



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18.11.1887 - Seite 6

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Ruska Familienarchiv
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Julius an die Eltern



hier bedeutet "Dessert" soviel wie Käse. Nach dem
Rindfleisch u. der Suppe, welch beide Dinge bei mir
täglich ohne Ausnahme wiederkehren sucht man
sich ein "Gemüse" heraus, zu dem man immer et-
was Fleischiges, Wurstzipfel, Schinkenschnitte etc. bekommt
oder "Braten", immer mit Kartoffeln. Das Ganze
kommt mit Bier etc. auf 80 Pf - 1 M; aber man ißt nicht
schlecht und wird satt. Falls man nicht satt würde,
ist man "in der Wahl der Gänge nicht beschränkt".
Das Restaurant ist schon ziemlich weit von der Univ.
nach Süden hin entfernt, nicht an den Hauptver-
kehrsadern, deshalb im Verh. zu dem was man
bekommt, billiger als in nähergelegenen. Ich habe
auch schon einiges Neue kennengelernt: Königsberger
Klops, Kasseler Rippespeer usw.
 
Abends zwischen 8 u. 9 bereite ich mir meinen Cacao.
Zum Thee habe ich mich noch nicht entschließen können
u. von allen Dingen ist Cacao das bequemste.
Das Abendessen kommt mich, wie ich aus einem
3 wöchentlichen Durchschnitt sehe, auf etwa 30 Pf;
ich werde also mit 1,20 täglich für das Essen wie
in Heidelberg den Winter über, auch hier reichen.
Feuer habe ich bis jetzt noch nicht gebraucht; das
ist ein großer Vorteil, weil hier nicht wie sonst
Kohlen und Holz gekauft wird, sondern pro Tag Feuerung
20 Pf bezahlt werden müssen. Es ist nämlich neben
dem Zimmer eine Küche, auch geht das Fenster auf