Julius Ruska


Briefe aus Berlin



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18.11.1887 - Seite 5

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Julius an die Eltern



macht mir schon Schwierigkeiten; überhaupt muß ich
meine Zeit zusammenhalten. Da ich sozusagen
gar keinen Verkehr hier habe, hat das auch keine
großen Schwierigkeiten. Ich weiß nicht, ob ich schon ge-
schrieben habe, daß jener von den beiden Heidel-
berger Mathematikern, die mich an Pfingsten be-
suchten und eine Fußtour im Schwarzwald machten,
hier bzw. in Charlottenburg am Polytechnikum studiert,
diesen treffe ich bisweilen, sonst aber habe ich bis
jetzt noch keinen Bekannten. Indes, man gewöhnt
sich daran, drum ist die Woche auch nicht so schlimm.
 
Nun einiges über meinen täglichen vegeta-
tiven Lebenslauf, d. h. über Mittags- und Abendessen
und über die Wohnung; im Anschluß daran ein
Rechenexempel. Ich esse um 1 Uhr in Gratweils Bier-
hallen; Suppe oder Bouillon, darauf Rindfleisch mit irgd.
einer Sauce, u. zwei gesottene u. geschälten Kar-
toffeln, welche man (überall) fast zu jeder Speise
erhält; ebenso stehen auf jedem Tisch Brötchen und Brot
aller Art gratis zur Verfügung. Dagegen ist Bier
und mindesten 5 Pfennig Trinkgeld obligatorisch. Ich habe
hier noch nie und nirgends eine Kupfermünze ge-
sehen, außer dem Sou u. dem Pfennig den ich von
zu Hause mitbrachte. - Man verlangt, wenn man
nicht 4/10 will, eine "Tulpe" d. sind Viertelgläser mit
Fuß wie nebenstehend. Unter "Speise" versteht man
ein süßes Gebäck, was bei uns Dessert genannt wird,