Julius Ruska


Briefe aus Berlin



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14.10.1887 - Seite 4

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Julius an die Eltern



In all diesen Fabrikorten fällt auch auf,
daß die Gebäude, groß oder klein, vollstän-
dig in hartgebrannten Backsteinen auf-
geführt sind u. zwar ohne Verputz; biswei-
len mit verschiedenfarbigen (bes. auch in
Berlin), was dem ganzen ein recht male-
risches Aussehen verleiht.
 
Zwischen Magdeburg und Brandenburg durch-
fuhr ich nun die bekannte schöne Gegend.
Es sieht wirklich traurig aus. Alles eben,
Höhenunverschiede von einem Meter kommen
höchstens am Bahndamm vor; Wiesen mit
magerem Gras, als Weideland; Rübenäcker,
manchmal ein kläglicher Versuch zu einem
Forlen - oder Laubwald; noch seltener ein Wasser-
graben, weithin keine Ortschaft zu erblicken;
Windmühlen das einzige, was die Gegend
belebt. Der Ackerboden ist nichts als Streusand.
Wenn sich Schollen zufällig zusammengebacken
haben, zergehen sie im Regen u. dann sieht
so ein Acker aus wie bei uns auf der Straße
der zusammengescharrte Dreck bei Regenwetter,
wenn er wieder langsam auseinanderläuft.
Man muß sich wirklich wundern, wie in solchem
Boden überhaupt noch etwas fortkommt.