Julius Ruska


Briefe aus Berlin



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14.10.1887 - Seite 3

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Julius an die Eltern



den Weg alles Fleisches gegangen. Hübscher Bahn-
hof. Roter Schimmer im Osten, bläulich werden-
der Himmel, die Sterne verschwunden. Aber noch
abscheulich kalt. Die, wie ich glaube, nächste Station
war Staßfurt. Nichts wie Fabrikschornsteine
u. Schachte in gewaltiger Ausdehnung. - Ich
vergaß, daß ich bei Nordhausen die erste
Windmühle entdeckte, die sich wie ein
riesiges Gespenst vom Horizont abhob. Diese
niedlichen Dinger wurden später (von Magde-
burg ab) immer häufiger. - Zwischen Staßfurt
und Schönebeck steht parallel mit der Bahn ein
Gradierhaus, das sicherlich 20 Minuten lang
ist; denn obwohl wir im Schnellzugstempo
vorüber fuhren, wollte es fast kein Ende
nehmen. Schönebeck wie Staßfurt: nichts als
Fabriken. Nachher, wenn ich nicht irre, Station
Güsten oder Güsen. Darauf Magdeburg. Was
ich dann sah, beschränkt sich auf Eisenbahn u.
kolossale Lager - u. Fabrikgebäude, u. die Türme
des Magdeburger Doms nebst einer anderen
großen gotischen zweitürmigen Kirche. Die Elbe,
welche wir hierauf passierten, macht nicht
gerade einen imponierenden Eindruck; wenig
Wasser, in zwei Arme geteilt.