Julius Ruska


Briefe aus Berlin



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14.10.1887 - Seite 2

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Julius an die Eltern



Darmstadt bis Frankfurt legte ich zu Fuß
zurück, dh. da ich im Coupe allein war,
bummelte ich darin auf und ab; um keine
steifen Beine zu bekommen. Frankfurt -
Nordhausen könnte ich eigentlich mit Still-
schweigen übergehen. In Gießen stieg ein
anfangs gleich mir sehr schweigsamer Herr
ein, der mein Reisebegleiter blieb bis Char-
lottenburg (Polytechn.). Der anbrechende Tag
und die Kälte brachten die Zungen langsam
in Bewegung. Von Kassel lernte ich wenig-
stens die „Retirade" kennen, wies dort heißt.
Zw. Kassel u. Nordh. Stat. Leinefelde. Und
nun wurde es immer kälter, Rotwein und
Fußgetrampel wollten fast nicht mehr helfen,
die Fenster waren dick mit Eis überzogen
In Nordhausen kamen wir beim ersten
Tagesgrauen an, das belebte wieder etwas
die Hoffnung, daß es bald ein Ende nehmen
werde. Die Stadt liegt aber noch sehr weit
vom Harz weg, wie etwa Straßburg vom
Schwarzwald. - In Sangerhausen vertilgte
ich den Rest Rotwein (es war noch ziemlich viel),
um durch einen Gewaltakt etwas wärmer
zu werden; das Cotelette war schon längst