Julius Ruska


Briefe aus Berlin



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27.12.1887 - Seite 15

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Julius an die Eltern



Herr Otto Felsing meint. Aber im höchsten Grad interessant,
dieser glänzende nackte Schädel, an dem man die blauen
Äderchen durchschimmern sieht. Ein sehr kluges Gesicht
hat Stroßmayr (Erzbisch. v. Wien), noch besser gefällt mir
ein in 1/2 Lebensgr ausgeführtes ganzes Bild von dem
berühmten Döllinger: so ein richtiges verschrumpftes
u. zusammengekrümmtes Gelehrtenmännchen mit
einem nachdenklichen und doch leuchtenden Blick sitzt
er in einem Lehnstuhl. Der Kaiser, ebenfalls im
Lehnstuhl, ist so wunderbar naturgetreu, daß die
einen rufen: "Herrlich!" u. die anderen: "gräßlich!";
denn es ist der Zerfall des höchsten Greisenalters ge-
malt. Ein wundervolles Bild ist noch eine junge
Mutter mit einem etwa 4 jähr. Kind, das glücklich
in die Welt hineinlächelt u. seine Puppe an sich
hält; dunkelblaue Augen u. goldig schimmernde
glatte Haare, ein rechtes glückIiches Kindergesicht .
 
An etwas muß ich doch noch erinnern: Was
sagt Ihr zu dem famosen Gebet für den "Greis"
u. den "Jüngling", u. der "Züchtigung" des Kronprinzen?
Diese miserablen bigotten Lumpen wissen recht
wohl, daß ihre Stunde geschlagen hat, wenn der
Kronprinz ans Ruder kommt u. was den frommen
Jüngling betrifft, scheint man mir alle Ursache
zu haben, für die Zukunft zu fürchten; mir
erscheint es fast unbegreiflich, wie der Sohn