Julius Ruska


Briefe aus Berlin



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18.12.1887 - Seite 4

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Julius an die Eltern



Im Opernhaus war ich seither zweimal. Zuschauer-
raum u Bühne sind die größten, die ich bis jetzt
gesehen; und doch genügen die Räume oft bei weitem
nicht dem Andrang. Ich war also erst in der Ma-
tinee am Sonntag vor 8 Tagen; das Billet dazu
hat mich nichts gekostet; ich erhielt es von Thimann,
welcher nicht hineinwollte; dieser hatte es von ei-
nem Bekannten, der im Stud. Ausschuß ist Interessant
war ein Fräulein, welches die Flöte blies; blau
u. weißes Kleid, wie ´ne Puppe, hatte sehr Angst. `
Am Schluß: „Kurmärker u. Picarde", spielt 1815, in
der Picardie, 2 Personen, halb französisch halb
deutsch. Die Schwester des K. hat von einem Franzosen
eine Ohrfeige gekriegt u. dieser nun beschlossen,
jeder Französin auch eine zu geben, was hier
wie leicht vorauszusehen, nicht geschieht. Die Picarde
wurde von Frl. dell ' Eia gespielt, der ersten Tänzerin
an der Oper, einem sehr graziösen Ding. - Ferner
also im Don Juan; hat mir sehr gut gefallen,
besonders Leporello, dessen Diener; dann Elvira -
das Frl. Leisinger, welches z. Zt. in Paris bei einem
Gastspiel insultiert wurde, wie Ihr Euch vielleicht
erinnert. Don Antonio wurde von Vogl (München)
gesungen. Indes glaube ich kaum, daß Mama noch
weiß, was jede Rolle zu bedeuten hat, u. ich will