Julius Ruska


Briefe aus Berlin



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04.12.1887 - Seite 6

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Julius an die Eltern



sich freilich kein Bild von den anregenden
Gedanken machen, welche aus der Vorlesung selbst
für den Hörer entspringen; übrigens kann man schwerlich
behaupten, daß Bastian die Gabe der Rede besitzt,
doch thut ihm das in seiner Stellung als Führer
der deutschen Ethnologie sicher wenig Eintrag.

In der Richtung nach Westen bin ich bis an
das Polytechnikum in Charlottenburg gekommen,
in welchem mich Thimann herumführte. Es liegt
nicht weit vom Ende des Tiergartens, am Anfang
von Charlottenburg, wohin ich nicht weiter vorgedrungen
bin, und ist ein kolossaler Bau von 4 Stockwerken
(incl. d. sog. "Kellergeschoß"); im Innern mit
einer Pracht ausgestattet, die die Straßburger
Universität weit übertrifft; enthält große
Modellsammlung von Maschinen, Proben von
Baumaterial, Architekturstücke und Statuen,
große Zeichensäle, in deren einem ich war,
ein sehr großes Lesezimmer welches besser benützt
würde, wenn es hier an der Univ. wäre: unser
"Lesezimmer" ist zwar ein eigenes Gebäude
hinter der Univers. aber viel zu klein; bes.
in den Vormittagsstunden ist kaum ein Stuhl
zu kriegen geschweige das B T, trotz 5 Exempl.
Ich gehe deswegen nicht vor 5 hin, da ich v. 5 - 7 fast
jeden Tag Colleg. habe.