Julius Ruska


Briefe aus Berlin



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04.12.1887 - Seite 3

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Julius an die Eltern



Ich war mit Thimann dort, mit dem ich jetzt fast
jeden Sonntag zus. treffe. Die Aufführung in engl.
Sprache; doch hatten wir Zeit, vorher das deutsch-
englische Textbuch durchzulesen. Auch ist der genauere
Verlauf des Textes nicht so sehr notwendig zum
Verständnis. Dies wird wesentlich erleichtert durch
die Mimik: mit Augen, Kopf, Händen, Füßen,
dem ganzen Körper, vor allem aber mit den
riesigen Fächern. Das ganze Stück ist so voll
Tollheit und doch wieder so naiv und unschuldig,
die Musik dazu so charakteristisch, das Spiel
der an Häßlichkeit sich gegenseitig übertrumpfen-
den Japanesen so unübertrefflich komisch, daß
man gleich beim Aufzug des Vorhangs in eine
Lachsalve ausbricht und zum Schluß eher zum
Weinen aufgelegt ist, weil einem die Seiten
weh thun infolge des nie endenden Lachens.
Ich möchte einen öfteren Besuch des Stücks für
jeden Hypochonder als sicherstes Heilmittel empfehlen.
Die Ausstattung ist eine höchst glänzende.

In der Stadt habe ich wieder einen größeren
Streifzug gemacht u. es besonders auf Kirchen abge-
sehen. Größtenteils zierliche Backsteinbauten,
oft mehrfarbig, Dimensionen nicht allzu groß.
Ich machte meine Entdeckungen hauptsächlich
in den südöstlichen u. östlichen Stadtteilen, die