Julius Ruska


Briefe aus Berlin



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18.11.1887 - Seite 2

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Julius an die Eltern



eine stattliche Erscheinung. Neben ihm saß ein General,
eine zweite Chaise folgte. Nach kurzer Zeit zeigte eine
Bewegung unter den Schutzleuten u. weiter vorn stehenden
Zuschauern an, daß sie zurückkamen; nun gings in
der Richtung <--- auf dem kleinen Plänchen, das ich
Euch zur Orientierung auch für die Zeitungsansichten
beigelegt habe die Linden entlang: alles stiebt vor den
Berittenen auseinander, vereinzelte schwache Hoch-
rufe, traurig genug, heben die allgemeine eisig
kalte Stimmung der Masse der Zuschauer noch mehr
ins Licht. Ja, es muß eine Wonne sein, sich Zar
von Rußland nennen zu dürfen! Wenn man
dieses Heer von Polizisten gesehen hat, welches für
die persönliche Sicherheit des allgeliebten Herrschers
aufgeboten werden mußte, so wird man unwill-
kürlich an ein anderes Bild erinnert, das sich
jeden Tag an derselben Stelle wiederholt; an die
dichtgedrängte jubelnde Menge, wenn sich der Kaiser
beim Vorüberziehen der Wache am Fenster zeigt.
Und man denkt an den Kronprinzen: gibt es wohl
einen größeren Gegensatz als er in diesen beiden
Männern ausgedrückt ist ? Und der eine entgeht
den Nachstellungen seiner glücklichen Unterthanen,
obwohl er wert wäre, zehnmal in die Luft gesprengt
zu werden - der andere, der Liebling und die Hoffnung
des freisinnigen, unabhängigen Teiles unseres
Volkes, unterliegt einer tückischen Krankheit. Ich
kann mir kein schwereres Unglück denken, das