Siebenunddreissigstes Kapitel.

An der Heidelberger Schule.
Die Realschule, der ich zugewiesen war, lag in der Kettengasse hinter der Jesuitenkirche. Das Schulgebäude, ein Teil des alten Jesuitenkollegs, war äusserlich unansehnlich, besass aber ein schönes Treppenhaus und breite Gänge an der Strassenseite, während die Schulsäle ihre Fenster nach einem weiten Hof und Spielplatz hatten. Der Vorgänger ihres jetztigen Direktors war Gregor Weber, der Verfasser der bekannten Weltgeschichte. Er hatte die Anstalt von 1848 bis 1872geleitet; seit dieser Zeit führte Robert Salzer das Regiment. Unter ihm war die Schule in eine siebenklassige Realschule umgewandelt worden.

Als ich mich zum Dienstantritt meldete, sah ich mich einem behäbigen Fünfziger mit mächtigem, von einem breiten Bart umrandeten Kopf gegenüber, der mich kritisch musterte und mir eröffnete, dass er an seiner Anstalt keine Seitensprünge dulde. Sah ich so aus, als ob ich Neigung zu Seitensprüngen und offener Rebellion hätte? Das konnte ja gut werden! Durfte ich bei einem solchen Empfang wagen, meine Wünsche wegen der Samstagsstunden vorzubringen? Als ich mein Anliegen in kurzen Worten begründete, sah ich, wie seine Augen einen freundlicheren Ausdruck annahmen. Dachte er vielleicht an seine eigene Mutter? Empfand er, dass er hier nicht nur Vorgesetzter sein durfte? Er sagte mir zu, dass meinen Wünschen Rechnung getragen werden solle. Es war ein Zug von Güte, den ich ihm nie vergessen habe.

Was unter der strengen Ordnung zu verstehen war, bekam ich in doppelter Weise zu spüren. Die Pfälzer Buben waren musterhaft gezogen, das ging noch über die Durlacher Disziplin hinaus. Aber auch meine eigene Tätigkeit war in enge Schranken gebannt. Ich musste mich - vorläufig wenigstens - einer in allen Einzelheiten vorgeschriebenen Lehrmethode einfügen. Ich hatte in drei Unterklassen je vier Stunden Rechnen, in einer Untertertia Algebra, von Quarta bis Obertertia Naturgeschichte, in einer Obertertia auch noch Geographie zu unterrichten. In Sexta musste ich mich im Rechnen auf die mir bisher unbekannte österreichische Methode einstellen. Es hiess jetzt: 5 und 3 ist 8, mit dem Ton auf 3, nicht mehr 5 auf 8 bleibt 3; aber wenn die Buben später in ein Geschäft eintraten, mussten sie wieder nach dem alten Stiefel rechnen lernen. In Quinta hatte ich nach einem genau ausgearbeiteten Regelheft, das mit Faktorenzerlegungen anfing, Bruchlehre zu geben. In Quarta war ich an Vorschriften über den Zweisatz gebunden, den man sonst Regel de tri nennt, in Untertertia musste die Algebra nach einer von einem älteren Kollegen erfundenen, psychologisch völlig verständnislosen Methode eingetrichtert werden. Dazu hatte ich also neun Semester Matehmatik studiert und ein Staatsexamen gemacht!

Die naturgeschichtlichen Sammlungen waren ziemlich reichhaltig, aber verstaubt und verwahrlost. Ich brauchte Wochen, bis ich die Bälge abgestäubt und die ausgetrockneten Spirituspräparate neu aufgefüllt hatte. Die Insektensammlung befand sich in gutem Zustand, es fehlten aber fasst vollständig Präparate von niederen Tieren, die im Unterricht ebenfalls berücksichtigt werden mussten. Meine Bemühungen um die Sammlung wurden leider sofort derart anerkannt, dass ich zum Verwalter bestellt wurde. Ich konnte nun sehen, wie ich die Ordnung aufrecht hielt, die für andere Leute weniger Reiz hatte.

Ein Lehrzimmer für den naturwissenschaftlichen Unterricht war nicht vorhanden. Man musste in den Klassen unterrichten und konnte zusehen, wie man Tiere und Pflanzen auf dem Katheder oder auf den Bänken unterbrachte. Als ich einmal in einer Konferenz darum bat, das Mikroskop, das in einem Schrank des Physikzimmers sein Dasein verträumte, beim Unterricht zu benützen, wurde mir kategorisch erklärt, dass dieses Instrument nicht in die Naturgeschichte gehöre. Ich erwähne den Ausspruch, weil man daran sieht, welche Vorstellungen man an massgebender Stelle von diesem Unterricht hatte.

Physik und Chemie befanden sich in festen Händen, an eine Beteiligung meinerseits war in absehbarer Zeit nicht zu denken. Hätte ich etwa jetzt chemische oder physikalische Pratica an der Universität belegen sollen? Die Unterrichtspraxis lernt sich nur im Unterricht selbst, und was man für die Versuchstechnik braucht, konnte man damals in den Laboratorien sich nicht aneignen. Wer kümmerte sich damals um die Bedürfnisse, die der Beruf an den künftigen Lehrer stellte? Wer Arzt werden wollte, oder wer technischer Chemiker wurde, fand in allem die nötige Anleitung. Als Lehrer musste man überall von vorn anfangen, wenn man Naturwissenschaften zu unterrichten begann.

Mit den neuen Kollegen stellte sich bald der übliche Verkehr ein. In den unteren Klassen beherrschten die sogenannten Reallehrer das Feld, in den oberen waren die Neuphilologen massgebend. Der Direktor und die beiden ältesten Professoren, Gern und Holzer, waren noch Philologen alten Stils, die sich ihr neusprachliches Können durch längeren Auslandsaufenthalt erworben hatten. So war Salzer als junger Hauslehrer mit den Söhnen eines Wiener Grosskaufmanns jahrelang in England, Frankreich und Italien gewesen und hatte sich auf weiteren Reisen ein erstaunliches Wissen um die sozialen und politischen Zustände der europäischen Länder erworben. Gern war von Haus aus katholischer Priester, hatte sich aber von der Kirche losgesagt, als das Unfehlbarkeitsdogma verkündigt wurde. Wie er als Neuphilologe in den Schuldienst kam, weiss ich nicht. Holzer hatte sich als Hauslehrer und an Schulen in Russland sein Brot verdient, ehe er in den Badischen Schuldienst eintrat. Unermüdlich an seiner Fortbildung arbeitend, allem Grossen und Schönen aufgeschlossen, gegen Kollegen und Schüler gleich gütig und hilfsbereit, ist er mir bis in sein hohes Alter ein treuer Freund geblieben.

Von den beiden Mathematikern war mir der ältere, Dr. Ullrich, vom Mathematischen Verein her seit Jahren bekannt. Nach Herkunft und Erziehung mehr Engländer als Deutscher, war er ein fanatischer Apostel des Fussball- und Rudersports, die mir wie den meisten Zeitgenossen in den neunziger Jahren als unwürdige Ausländerei erschienen. Ein scharfsinniger Kopf, aber grenzenlos einseitig und verschroben, hatte er es verstanden, an der Schule überall seine Methoden durchzusetzen. Ich sah bald, dass wir nicht nur in allem, was die Behandlung der Schüler betraf, sondern auch in weltanschaulichen Fragen die grössten Gegensätze waren. Wer als Mathematiker und Chemiker zugleich ein Anhänger des borniertesten politischen Katholizismus sein konnte, mit dem war keine Diskussion möglich.

Leichter wurde es mir, dem Physiker Ehret in ein freundliches Verhältnis zu kommen. Er stand mir als Alemanne schon gefühlsmässig näher, als der fremdwirkende Halbengländer. Ehret hatte sich dem gleichen Methodenzwang gegenübergesehen, als er an die Schule versetzt wurde. Nun ergab sich, dass wir in Unterrichtsfragen gut zusammenstimmten und schliesslich gelang es, auch den Direktor von seinem Glauben an Ullrichs alleinseligmachende Methoden abzubringen.

Unter den Reallehrern gab es allerhand sonderbare Heilige. Über einen könnte ich ein Buch schreiben; er wird fortleben, so lange es noch Schüler gibt, die seinen Unterricht genossen haben. Mit einem anderen, K. Luppold, hat mich eine Freundschaft verbunden, die selbst dann nicht wankte, als fremde Gewalten störend dazwischentraten. Er war mehrere Jahre in Amerika und dann in der Schweiz gewesen. Die im Ausland erworbenen Kenntnisse ermöglichten es ihm, die Reallehrerprüfung abzulegen. Reich an Lebenserfahrung, von goldenem Humor, ein ebenso gewissenhafter wie anregender Lehrer, arbeitete er unermüdlich an seiner Fortbildung. Als er sah, dass mir die Botanik besonders am Herzen lag, schloss er sich mir an, wenn ich Ausflüge in die weitere Umgebung unternahm. Er blieb der Botanik auch noch treu, als ich längst auf anderen Wegen wandelte. Manche seltene Pflanze hätte ich ohne seinen Eifer im Aufspüren von Standorten niemals zu Gesicht bekommen.

Auch dem jungen und energischen Turnlehrer Filsinger möchte ich ein Wort freundlichen Gedenkens widmen. Es war eine Freude, seine Buben turnen zu sehen. Und wie sie erst singen konnten! Ich habe an Schulen kaum jemals frischere Knabenchöre gehört.

Nun aber muss ich von meinen Pfälzer Buben erzählen. Es war das erste Mal, dass ich mit dem leichtfüssigen, mundfertigen Volk der Pfälzer Krischer zu tun hatte. So ungewohnt mir in den ersten Wochen ihre Art war, so schnell hatte ich heraus, wie man mit ihnen umgehen musste. Wie dankbar waren sie doch, wenn man ihnen ein wenig Freiheit liess, wie leuchteten die Augen, wenn man wie ein Kamerad unter ihnen stand! Ich habe meinen Buben nichts geschenkt, aber ich habe auch die Freude nicht aus der Schule hinausgejagt. Wieviele müsste ich nennen, die mir noch in all ihrer Zutraulichkeit und Fröhlichkeit vor Augen stehen, ganze Klassen und Einzelne, und wie viele sind es, mit denen ich dauernd in Verbindung blieb!

Salzer hatte die Übung eingeführt, dass die Doppelklasse zu Beginn jedes Schuljahres neu gemischt wurden. Die Schüler wurden in langer Zeile im Gang aufgestellt, dann wurde abgezählt, und die ungeraden Nummern kamen in den einen, die geraden in den anderen Stall. Durch den Wechsel von Lehrern und Schülern sollte verhütet werden, dass die Klassenleistungen allzu ungleich würden. Es konnte aber vorkommen, dass einzelne Schüler und Lehrer ungeachtet aller Mischkünste dauernd beisammenblieben. So habe ich von einer Sexta, die ich besonders liebte, manche Schüler bis Untersekunda durchgeführt und bin mit einem Rest von fünf Mann schliesslich noch durch die Reifeprüfung gegangen.

Ich hatte nun wirklich nicht mehr das Gefühl, dass ich für meinen Beruf untauglich sei. Ich fühlte mich grenzenlos glücklich, nicht nur, weil ich jetzt im Verkehr mit der Jugend Befriedigung fand, sondern weil ich freie Bahn vor mir sah und die Zeit, die mir blieb, benützen konnte, wie es mir beliebte.

In den ersten Wochen hatte ich mein altes Zimmer am Botanischen Garten wieder bezogen. Es wurde mir aber bald unbequem, jeden Tag den weiten Weg in die Kettengasse zurückzulegen, und so mietete ich bei Semesterbeginn zwei Zimmer in der Zwingerstrasse. Ein Jahr später zog ich noch näher an die Schule heran, in das Posseltsche Haus, das ihr schief gegenüber liegt. Bequemer konnte ich es nicht haben, und besser auch nicht. Allerdings, ich bekam erst einen Schrecken, als ich mir das Zimmer ansehen wollte und eine hagere, gebückte, weisshaarige Gestalt mit Putzeimer und Besen bewaffnet, den Glasverschluss öffnete. Es war, als ob die Hexe zu Hänsel und Gretel vor mir stünde, und Sieben hiess sie auch noch! Auch ich wagte den Versuch, und wir haben uns acht Jahre lang, bis ich meinen eigenen Hausstand gründete, aufs Beste vertragen. Ich hätte keine besorgtere Wirtin finden können.

Nun hatte ich nicht nur die Schule, sondern alles, was ich sonst brauchte in nächster Nähe beisammen: die alte Bibliothek in der Augustinergasse und die Universität am Ludwigsplatz, das Schulhaus, in dem der Fachverein seine Proben abhielt und das Museum, wo die Konzerte stattfanden und die Heidelberger Gesellschaft den Wintervergnügungen huldigte. Es war auch nicht weit zu den Kneipen, in denen die wissenschaftlichen Vereine ihre Sitzungen abhielten, und zu den Biergärten, dem Faulen Pelz und dem Bremeneck, wo der Bürger im Sommer seinen Durst löschte. Ich ass bei Frau Leiser im Prinzen Max, und als mich dort zwei Kollegen durch ihre Billardstangen in der Ruhe störten, verlegte ich das Mittagsmahl in den Prinzen Friedrich Karl, wo Frau Weidner samt Töchtern ihres Amtes waltete und bedeutende Männer, voran Herr Architekt Lender, ihren Frühschoppen tranken. Die Zukost zum Tee, den mir Fräulein Sieben bereitete, holte ich mir persönlich, wie in Studentenzeiten. Wenn die Wurst gut war, verschmerzte ich es, dass ich von den Wurstnixen etwas von oben herab bedient wurde. An Sonntagen brauchte meine Hausdame nicht für mich zu sorgen. Da ging sie mit ihrer Freundin Sophie, die im Hause wohnte, spazieren, ich aber wandelte ins Café Wachter, wo die Saaltöchter wie Nonnen in Schwarz und Weiss sittsam neben dem Buffet sassen und die Gäste nach Bedarf mit Zeitungen oder Speis und Trank versorgten.

Aber der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Wenn ich jemals einen Hunger nach Freunden, nach Aussprache und geselligem Verkehr hatte, dann ist es in diesen Jahren, in der seelischen Vereinsamung nach dem Tod meiner Mutter gewesen. Der Briefwechsel mit den alten Freunden konnte keinen Ersatz dafür bieten. Richard Miller hatte längst promoviert und steuerte nun in Berlin der Kapellmeisterlaufbahn zu. Im Sommer 1892 holte er sich seine Albertine, die lebenssprühende Tochter seiner Strassburger Wirtin nach Hause; zu der Hochzeit in Strassburg war ich natürlich als Gast geladen, dann haben wir uns viele Jahre nicht mehr gesehen. Mit Schmidt blieb ich in engerer Verbindung, weil ich damals noch Hoffnung hatte, an der Strassburger Bibliothek unterzukommen. Er ist in jungen Jahren gestorben. Der Schwarm der Heidelberger Freunde war in alle Winde zerstreut und jeder ging seinem Beruf nach. Nur zwei, von Max Wolf abgesehen, fanden den Weg ins Freie. Voigt sass jungverheiratet in Weinheim am Bender'schen Institut und bereitete sich zum Doktor der Staatswissenschaften vor. Es wurde bald von dem Mathematiker Schell als Assistent an die Technische Hochschule nach Karlsruhe gerufen und habilitierte sich schon 1894 in seinem alten Studienfach. Mie folgte ihm bald nach und wurde Assistent bei dem Physiker Lehmann. Mit Schmidtle pflegte ich die botanischen Interessen weiter, doch kamen wir nicht so oft zusammen, als es die Nähe von Mannheim erlaubt hätte.

So kam es darauf an, in welchen Kreisen ich neue Freunde fand. Der Verkehr im Mathematischen Verein konnte mir nicht mehr viel bieten. Innerhalb der studentischen Kreise kamen nur die klassischen Philologen in Betracht, zu denen ich immer freundliche Beziehungen gepflegte hatte. Das Glück führte mir einen jungen Fuchs in den Weg, Karl Dürr aus Baden, den ich schon vom Gymnasium her kannte. Er wollte klassische Philologie studieren, aber auch Philosophie treiben und Sanskrit hören. Das war gerade, was ich brauchte. Ich war selig über diese Entdeckung. Mit dem Sanskrit kamen wir zwar nicht weit, aber wir lasen Faust und Zarathustra und schwelgten in grossen Gedanken und Gefühlen. Im Winter darauf, als er in Berlin studierte, mussten lange Briefe den täglichen Verkehr ersetzen.

Um die gleiche Zeit lernte ich bei einem Kollegenabend, den die Heidelberger Schulen gemeinsam veranstalteten, den Praktikanten Dr. Franz Burg kennen. Von seiner kühlen kritischen Art und seinem gründlichen philologischen Wissen hatte ich unendlichen Gewinn, ihn mochte meine heissblütigere Art und mein orientalisches Steckenpferd angezogen haben. Die Freude an der Musik war uns beiden gemeinsam. Burg war auch der Anlass, dass ich mit H. Tode bekannt wurde und unsere Thoma-Studien nach Heidelberg wanderten. Ob es mir gelänge zu ergründen, was zwei Menschen auf den ersten Blick zu einander führt? Wir haben uns über alle Zeiten und Schicksale hinweg die Freundschaft gehalten, weil uns ein gemeinsamer Zug verband: der rücksichtslose, unbedingte Wille zur Wahrhaftigkeit.

Von den flüchtigeren Beziehungen jener Zeit, die sich aus dem Kommen und Gehen jüngerer Lehrkräfte an den drei Schulen ergaben, könnte ich noch viel sagen, von Gewicht wäre doch nur, was mich in meinen Zielen gefördert hat. Ein Mensch, der als abgestempelter Mathematiker mit Philologen verkehrte und gar noch Arabisch trieb, musste allen normalen Zeitgenossen verdächtig erscheinen &endash; so gab es sich ganz vonb selbst, dass ich meinen Weg ziemlich allein zu gehen hatte. Oft habe ich mich gefragt, bei einer ausgesprochenen Freude an wissenschaftlicher Aussprache, warum es immer nur Einzelne waren, mit denen sich ein engerer Anschluss herausbildete, warum es mir in grösseren Kreisen oder in Massenversammlungen nie behaglich zu Mut war. Aber was konnte dabei herauskommen, wenn die Männer bei Bier oder Wein an langen Tischen sassen und einer den anderen überschreien musste, um sich auch nur seinem Nachbar verständlich zu machen. War es nicht etwas ganz anderes, mit einem oder zwei Freunden auf einem Spaziergang im Walde, oder auch um einen Tisch im Studierzimmer sich in alte Probleme zu vertiefen oder über neue Fragen auszusprechen?

Meine gesellschaftlichen Talente waren sichtlich schwach entwickelt, aber wann hätten sie sich über und entfalten sollen? Ich empfand alle Ansprüche in dieser Hinsicht als eine Last. Wenn ich schon einmal an grossen Veranstaltungen teilnehmen musste, so war mir nur wohl, wenn ich ganz in der Masse untertauchen und die Eitelkeit der grossen Welt mit freundlichem Lächeln an mir vorüberziehen lassen konnte. Ich habe später die Scheu vor den Massen verloren, aber nur, weil ich mir erst recht nichts aus den Paraden machte, die nun einmal in dieser Welt unvermeidlich sind.


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© Julius Ruska 1937