Auf
die Festwoche folgte die stille Arbeit in den Ferien. Ein
Dokument aus jener Zeit liegt noch vor mir: ein Stoss von
sieben engbeschriebenen Heften, der die
Übersetzungen des ersten Teils von Darwins
Abstammung des Menschen enthält. Ich habe sie in
zehn Tagen, vom 14. bis 24. September, zu Ende
geführt. Etwas hölzern, dem englischen
Wortgefüge folgend, dann und wann mit englischen
Ausdrücken in Klammern, ist sie offenbar sehr rasch
und ohne Benützung eines Lexikons hingehauen. Auch
einige Auszüge aus dem zweiten Teil, über
geschlechtliche Auslese oder Zuchtwahl, sind noch
beigefügt. Es ist erstaunlich, wie modern das Buch
in manchen Partien gerade heute wieder anmutet.
Dass
die Frage nach dem Ursprung des Menschengeschlechts eines
der zentralsten Probleme ist, mit denen sich der Mensch
beschäftigen kann, liegt auf der Hand. Das Alte
Testament gibt schon auf den ersten Seiten die Antwort.
Wer den dort beschriebenen Schöpfungsakt als ein
Märchen ansieht, muss nach einer anderen Lösung
suchen. Von der Philosophie her hatte ich keine zu
erwarten. Hier musste die Naturwissenschaft gefragt
werden. Es hätte mich locken können, ein Kolleg
über Anthropologie zu belegen, aber ich zog es vor,
den grossen Darwin selbst zu hören.
Warum
ich mir gerade jetzt, in diesen Ferien, das berühmte
Werk vornahm, kann ich nicht mehr sagen. Mit meinem
künftigen Beruf hatte diese Beschäftigung
wieder einmal nichts zu tun. Es war, als ob irgendein
Dämon mich von Mathematik und Physik weg immer
wieder auf andere Gebiete locken wollte. Aber die Fragen
tauchten aus dem Grund der Seele auf und liessen mir
keine Ruhe, bevor sie nicht wenigstens eine
vorläufige Antwort gefunden hatte. Es war mir
unfasslich, wie gleichgültig andere diesem Problem
gegenüberstanden. Man konnte sich mit keinem
Kommilitonen darüber aussprechen und von niemand
einen Hinweis auf die grundlegenden neueren Werke
erhalten. So griff ich denn auf eigene Faust zu dem, was
mir der Zufall oder ein unklares Gefühl in die Hand
spielte. Der kommende Winter sollte mich noch mit viel
fernliegenderen Dingen in Berührung
bringen.
Schenck
hatte bereits eine Wohnung für uns beide ausfindig
gemacht, als ich Ende Oktober nach Heidelberg fuhr. Sie
lag oben in dem Torturm, durch den man zum Klingenteich
hinaufsteigt, und bestand aus einem gemeinsamen
schönen Studierzimmer und zwei Schlafkammern. Die
Aussicht auf die Stadt brauchte nicht besonders bezahlt
zu werden. Der Turm gehörte zu dem alten v.
Leonhardt'schen Haus und war durch ein Hoftor
zugänglich.
Wieder
stand, was Zeit und Mühe anlangt, die Mathematik im
Vordergrund. Ich hörte bei Königsberger
Flächentheorie und Theorie der eliptischen und
Abel'schen Funtkionen und liess mir auch eine
Seminararbeit geben. Abel'sche Funktionen hatte ich in
meiner Unschuld schon im ersten Semester bei Christoffel
hören wollen. Ein älterer Mathematiker, warnte
mich noch rechtzeitig; Christoffel werde mich die Treppe
hinunterwerfen, wenn ich mich bei ihm blicken liesse.
Neben Königsberger war auch Schapira mit drei
Vorlesungen vertreten. Bei Cuno Fischer hörte ich
das berühmte Kolleg über den Faust, das
einzige, das ich bei ihm belegt habe. Als etwas ganz
Neues kam die Zoologie bei Bütschli hinzu. Ich
brannte auf diese Vorlesung. Das war endlich ein Stoff
und ein Weg, der aus dem Reich abstrakter Theorien und
physikalisch-chemischer Mechanik in die lebende Natur
zurückführte. Von der Zoologie aus musste ich
mit Notwendigkeit zu den allgemeinen Fragen über
Entstehung der Arten und schliesslich wieder zu der des
Menschen gelangen.
Das
gemeinsame Studierzimmer bot die Gelegenheit, auch in
Schencks medizinische Lehrbücher einen Blick zu
werfen. Er besass das vielbändige Handbuch der
Physiologie von Hermann, und wenn ich es auch nicht
durcharbeitete, so habe ich doch aus einzelnen
Bänden reiche Belehrung geschöpft. Den
grössten Gewinn habe ich aus Gegenbaurs
vergleichender Anatomie gezogen. Wer das Werk kennt, wird
sich nicht wundern, dass es mir enorme Schwierigkeiten
bereitete - aber gerade das war es, was mich
anzog.
Was
ich von zoologischem Wissen mitbrachte, bestand aus
Kindheitserinnerungen an Raupenzucht, Hasenstall und
junge Katzen, an die bunten Bilder im Oken und die
Besuche im Strassburger Museum. Aus der Lektüre und
Unterhaltung hatten sich auch allerhand
entwicklungsgeschichtliche Schlagworte bei mir
eingenistet, ohne dass ihnen die Kenntnis der
zugehörigen Tatsachen die erforderliche Stütze
gab. Für die Einführung in das System sorgten
nun neben dem Kolleg das bekannte Lehrbuch von Claus,
aber das entscheidende Wissen, die gedankentiefe Analyse
des Baus und der Funktionen des tierischen Körpers
und die Kenntnis der Entwicklungsvorgänge verdanke
ich Gegenbaur. Ich vermute, dass ich damals auch schon
Darwins "Origin of Species" gelesen habe, vor allem aber
war ich in das Studium von Herbert Spencers "Principles
of Biology" vertieft, auch ging ich endlich an das
Studium von Comte und Laas heran. Man kann sich danach
ungefähr ausmalen, welche Gärung in diesem
Winter über mich gekommen war.
War
das nun Zoologiestudium? Oder dienten Kolleg, Claus und
Gegenbaur doch wieder nur als Unterbau für das nicht
totzukriegende Bedürfnis, die Bedingtheiten des
Menschendaseins zu ergründen und hinter die
Geheimnisse des eigenen Wesens zu kommen? Spencer gab
mir, was ich suchte. Ein philosophisches System, das
aufrichtig genug war, die Relativität alles Wissens
anzuerkennen, und das sich entschloss, das Unerkennbare
den Theologen zu überlassen, das übrige von der
fortschreitenden Entwicklung der Naturwissenschaft zu
erwarten. Den Dank, den ich Spencer schuldete, habe ich
zwanzig Jahre später dadurch abzutragen versucht,
dass ich die Hauptkapitel der "First Principles of
Synthetic Philosophy" in meiner Sammlung "Englische
Schriftsteller aus dem Gebiet der Philosophie,
Kulturgeschichte und Naturwissenschaften"
veröffentlichte, die für die Prima der
Realgymnasien und Oberrealschulen bestimmt war. Die
Auswahl sollte Oberprimanern, insbesondere solchen, die
sich philosophischen oder naturwissenschaftlichen Studien
zu widmen gedachten, eine Anregung sein, dem Gesamtwerk
des Philosophen näherzutreten. Wie oft und mit
welchem Erfolg das Bändchen gelesen worden ist,
entzieht sich meiner Kenntnis; Dankbriefe von
Oberprimanern habe ich jedenfalls nie erhalten. Ich
fürchte sehr, es war verlor'ne
Liebesmüh.
War
dem Menschen sein "Platz in der Natur" angewiesen, so war
damit ein fester Grund gewonnen, von dem aus sein
Aufstieg über die Tierwelt verfolgt werden konnte.
Der Weg musste über die prähistorische
Forschung und über die Völkerkunde führen.
Die Vorgeschichte war wenig aussichtsreich, wenigstens
für den, dem nicht Steinbeile und Topfscherben,
sondern primitive Gedankengänge wichtig waren.
Etnographische Daten waren mir bei Spencer und Darwin
begegnet, Indianergeschichten, Beschreibungen von
Entdeckungsreisen, Berichte über das Leben und
Treiben niederer Menschenrassen taten ein übriges,
um eine eingehendere Beschäftigung mit diesen Dingen
gewinnbringend erscheinen zu lassen.
Eine
Frage, die mich besonders beschäftigte, war die, wie
sich die nähere und fernere Welt in den Köpfen
der primitiven Menschen spiegelte, zu welchen
Vorstellungen über die Naturvorgänge sie mit
ihren unentwickelten Erfahrungen kommen mussten. Es war
offenkundig, dass die Naturvölker in allem Geschehen
die Äusserungen mehr oder weniger gespenstischer
Wesen sahen, vor deren Zorn man sich zu hüten hatte,
deren Gunst man durch Opfer erkaufen konnte. Aber waren
die kulturell höher stehenden Völker mit ihren
entwickelteren Religionen nicht auch noch in weitem
Umfang an diese primitive Gedankenwelt gebunden? Und
lohnte es sich nicht, diesen Einschlag über alle
geschichtlichen Religionen hinweg bis zu den Dogmen des
Christentums zu verfolgen?
Zwei
Bücher von Rang, die mir mehr durch Zufall als durch
Wahl in die Hand kamen, führten mich in der
eingeschlagenen Richtung weiter. Das eine, J. G.
Müllers Geschichte der amerikanischen Urrelgionen
(Basel 1867), machte mich mit den religiösen und
kulturellen Zuständen von Menschen bekannt, die sich
ganz ausserhalb des Bereichs der alten Welt befanden,
aber alle Entwicklungsstufen von der der niedrigsten
Jägerstämme bis zu merkwürdigen
Hochkulturen mit eigener Schrift durchlaufen hatten. Das
andere war Twestens Werk über die religiösen,
politischen und sozialen Ideen der asiatischen
Kulturvölker und der Ägypter, das M. Lazarus
1872 aus dem Nachlass herausgegeben hatte. Hier fand ich
in der geistvollen Einleitung eine Übersicht
über den ganzen Entwicklungsgang der positiven
Wissenschaften, in den Hauptkapiteln die erste, lang
nachwirkende Belehrung über Geschichte, Kultur und
Religionen der Inder und Ägypter, der Babylonier,
Iranier und Israeliten. Das Buch war in der zweiten
Hälfte der fünfziger Jahre geschrieben, bevor
Twesten in die politische Arena eintrat. Die Kapitel
über die Entzifferung der ägyptischen und
Babylonsichen Schrift, die Verwertung der Ergebnisse der
Bibelkritik, der breite Raum der den gesellschaftlichen
Zuständen und der Philosophie der Inder
eingeräumt wird, spiegeln den Zustand der kritischen
Forschung jener Jahre. Was davon durch spätere
Forschung schon überholt war, konnte ich nicht
beurteilen; entscheidend waren nicht die Einzelheiten,
sondern die Einführung in den Geist
kritisch-historischer Religionsforschung.
Aber
auf welche Abwege hatte ich mich nun wieder verleiten
lassen? Wohin musste diese Disziplinlosigkeit in der
Verwendung meiner Zeit noch führen! Ein Brief, den
ich vor Weihnachten nach Hause schrieb, enthält die
schmerzliche Mitteilung, dass ich meinen Plan, schon im
siebenten Semester die Staatsprüfung abzulegen,
endgültig aufgeben müsse. Ich bin jetzt gerade
so weit, heisst es da, um zu wissen, dass ich eigentlich
noch nichts weiss; wenn man mit den Kandidaten im 9. und
11. Semester spricht, die nicht fertig werden
können, vergeht einem die Lust zu dem Experiment.
Andere Briefe enthalten Nachrichten über den Plan,
im Sommer nach Berlin zu gehen, gegen Ende des Semesters
taucht der Gedanke auf, eine Hauslehrerstelle bei einem
russischen Baron zu übernehmen. Ich verlor zwei
Wochen mit Warten, bis die Herrschaften aus Paris nach
Heidelberg gekommen waren, aber schliesslich fand ich
doch keine Gnade. Es schien mir, als hätte ich
besonders auf Madame als künftiger Hofmeister keinen
günstigen Eindruck gemacht.
Was
ich dann noch zu Hause trieb, könnte ich nicht
feststellen, wenn der erste Brief nach den Ferien nicht
darüber Aufschluss gäbe. Er spricht von einer
schweren Krise, von einem Widerwillen gegen alle
Mathematik, der teils aus zu einseitiger
Beschäftigung mit dem gleichen Thema, teils aus
vorangegangenem Studium philosophischer Schriften
herrühre, und von dem drückenden Gefühl,
aus den eingeschlagenen Bahnen nicht mehr heraustreten zu
können. Die Krisis sei überwunden, seitdem ich
mich wieder unter Zunftgenossen befände, weitere
Störungen seien nicht mehr zu befürchten oder
doch umso weniger gefährlich, je mehr die
Kandidatenzeit heranrücke. Ein zoologisches
Praktikum bei Bütschli gefalle mir ausgezeichnet, da
man beim Mikroskopieren, Präparieren und Zeichnen
sehr viel lerne. Ein mineralogisches Praktikum, das ich
bei Rosenbusch im Anschluss an das Kolleg besuchte,
wollte mir weniger zusagen.
Da
Schenck im dritten Semester Heidelberg verliess, war
wieder ein Wohnungswechsel nötig geworden. Meine
neue Bude lag diesmal weit draussen am Botanischen
Garten, im vierten Stock der Brauerei Sinner; die
Aussicht auf den Garten und die Berge war herrlich. Da
noch zwei weitere Zimmer an Mathematiker vermietet waren,
fehlte es auch nicht an gegenseitiger Förderung und
Anregung. Der Verein hatte durch den Abgang der
älteren Semester und den Eintritt neuer Mitglieder
ein verändertes Aussehen gewonnen. Unter den neuen
Mitgliedern waren zwei, zu denen ich mich besonders
hingezogen fühlte. Der eine, Andreas Voigt, ein
Flensburger, hatte in Freiburg und Berlin
Nationalökonomie und Philosphie studiert, sattelte
aber um, weil er verlobt war und als Gymnasiallehrer
rascher zu Amt und Brot zu kommen hoffte. Zu seinen
volkswirtschaftlichen Kenntnissen fand sich vorerst keine
Brücke, aber in dem Interesse an philosophischen
Fragen entdeckten wir bald gemeinsamen Boden. Sein
goldener Humor, seine unverwüstliche Laune, brachte
auch bei mir verwandten Saiten zum mitschwingen, und so
kam es, dass wir beide der Schrecken aller
Vereinsphilister wurden. Der andere, Gustav Mie aus
Rostock, ein Pastorensohn, war einige Semester
jünger. Es besass eine glänzende mathematische
Begabung und hat sich bekanntlich als Physiker einen
Namen gemacht.
Ich
habe schon erwähnt, dass ich bei Rosenbusch
Mineralogie hörte. Es war allmählich Zeit
geworden, sich die nötigsten Kenntnisse in den noch
nicht berücksichtigten Naturwissenschaften
anzueignen. Das Praktikum spielte sich in den Bänken
des Hörsaals ab und bestand darin, dass wir an
herumgegebenen Mineralien aus freier Hand das
Kristallsystem zu bestimmen hatten. Mehr habe ich davon
nicht mehr in Erinnerung, auch kann ich nicht sagen, ob
ich den gestellten Aufgaben immer gewachsen war. An einem
grossen Praktikum mit Einschluss der Petrographie
teilzunehmen, fehlten alle Voraussetzungen. Was ich an
geologischen Kenntnissen nötig zu haben glaubte,
erwarb ich mir in den Ferien aus Credners Elementen. So
gross die Bedeutung geologischer Zeiträume und
Entwicklungen für ein wissenschaftlich
begründetes Weltbild war, die Geologie selbst blieb
für mich vorerst ein reines Buchwissen, ohne
Fühlung mit dem, was mich bei geeigneter
Führung jeder Hang ins Freie hätte lehren
können.
Mit
der Botanik stand es besser, wenn ich auch den
Vorlesungen bisher aus dem Weg gegangen war. Der Rhythmus
des Pflanzenlebens, von Klima und Jahreszeiten
abhängig, lag offen zutage. Die Entfaltung der
Gestalten in Baum und Strauch, Kraut und Gras, bestimmte
das Bild der Landschaft, die Vertrautheit mit der
heimischen Flora liess sich bei jedem Spaziergang
erneuern und erweitern. Der Botanische Garten, den jetzt
so bequem vor mir liegen sah, lud mit seinen
pflanzengeographischen und systematischen Freianlagen und
den exotischen Pflanzen der Gewächshäuser immer
wieder zum Besuche ein. Was ich von den verborgeneren
Vorgängen des Wachstums und der Fortpflanzung oder
von der niederen Pflanzenwelt wissen musste, konnte ich
wieder dem Lehrbuch entnehmen. Es war ein Glück,
dass mich nicht auch hier das Fieber packte, alles
umfassen und bewältigen zu wollen.
Das
Semester ging zu Ende, ich verabschiedete mich von den
Freunden, um in Berlin, dem Ziel alter Wünsche,
wieder ganz meinen eigenen Weg zu gehen. Die drei
Semester im Verein hatten mir durch den Verkehr mit so
vielen verschieden veranlagten Leuten, durch die
lebendige Auseinandersetzung zwischen Lebensauffassungen
und wissenschaftlichen Standpunkten reichen Gewinn
gebracht. Ich hatte gelernt, mich unter Altersgenossen zu
bewegen, ohne meine Eigenart aufzugeben, ich freute mich
an der Geselligkeit, ohne mich an die
Äusserlichkeiten des studentischen Lebens zu
verlieren. Es war nicht immer leicht sich zu behautpen,
aber solange der Verein an den alten Grundsätzen
festhielt, bot er auch Raum für Charaktere, die
nicht auf grösstmögliche Korrektheit
eingeschworen waren.
Die
Hoffnung, ein Semester in Berlin studieren zu
können, hatte ich lange genug mit mir herumgetragen.
Wenn so viele Norddeutsche nach dem Süden zogen, um
hier die Romantik der kleinen Universitäten zu
erleben, so war der Wunsch, die Reichshauptstadt
kennenzulernen, für einen Süddeutschen nicht
weniger verständlich. Unter meinen Freunden war kaum
einer, der nicht ein oder mehrere Semester in Berlin oder
München studiert hatte. Nach München konnte ich
jederzeit kommen, Berlin wäre mir, wenn ich erst
einmal im Beruf stand, auch bei wochenlangem Besuch eine
fremde Stadt geblieben.
Die
Mathematik war in Berlin durch Sterne erster Grösse
vertreten; die Namen Fuchs, Kronecker, Weierstrass
pflegte man unter Studenten nur mit ehrfürchtigem
Schauer auszusprechen. Ich musste mich für einen der
drei entscheiden und beschloss, bei Kronecker
Zahlentheorie zu hören. Das wäre vom Standpunkt
des Examens gänzlich überflüssig gewesen,
aber eben darum wählte ich die Vorlesung. Mit dem
Inhalt des ersten Bandes von Dirichlets Zahlentheorie war
ich vertraut; um allen Ansprüchen gewachsen zu sein,
verwendete ich den grössten Teil der Ferien dazu,
auch den viel schwierigeren zweiten Band durchzuackern.
Im übrigen gedachte ich, noch zwei kleinere
Vorlesungen über Botanik und Zoologie zu belegen und
möglichst viele Publika zu besuchen. Es war die
letzte Gelegenheit, meinem unersättlichen
Wissensdurst noch einmal die Zügel schiessen zu
lassen.