Julius Ruska


Briefe aus Berlin



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18.12.1887 - Seite 4

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Julius an die Eltern



Pracht und Mannigfaltigkeit, künstliche Pflanzen
u. Blumen von einer Naturtreue, welche so täuschend
ist, daß man erst bei ganz nahem Hinschauen er-
kennt, daß man es nicht mit lebenden Gewächsen
zu thun hat. Besonders Maiblumen und Tulpenstöcke
in Töpfen, Syringen, Astern, Gladiolus, Alpenveilchen,
natürlich Rosen usw., u. Blattpflanzen, Farne aller Art.
Puppen sind ausgestellt mit einer Garderobe, die
sicher theurer ist als der Mama ihre; Die Conditorei-
en stellen ebenfalls ihre Meisterwerke aus, die
Buchhandlungen Prachtbände und Bilder, die Juweliere
Schmucksachen etc; wenn man Abends durch die
taghellen Straßen geht in dem Menschenge-
wimmel, daneben die Droschken und Pferdebahnen
in ihrem gleichförmigen Trab.. es ist ein über-
wältigendes Bild von dem Glanz einer Großstadt.
 
Ich habe in letzter Zeit die Gemäldesamm-
lungen des alten Museums besucht; sie
enthalten die Schöpfungen der italienischen, dann
der altdeutschen u. niederländischen Maler, na-
türlich wieder in so großer Anzahl, daß ich auch
nur die hervorragensten aufzuzählen nicht im-
stande bin. Ich will aber einiges anführen, was
mir besonders gefiel oder auffiel. Die Bilder
aus dem 14. - 16. Jahrhundert sind fast nur Heiligen-